Der Futterwahnsinn oder die Odyssee zur gesunden Ernährung des geliebten Vierbeiners (1)

 

Es gilt schon als besondere Herausforderung, seinen geliebten Vierbeiner gesund und artgerecht zu ernähren, dabei wäre es -wenn man sich ernsthafte Gedanken über eine gesunde, artgerechte Ernährung macht- gar kein Hexenwerk. Im Grunde nicht schwieriger, als würde man sich selbst oder seine Kinder gesund ernähren wollen.

 

So weit so gut, aber was ist denn nun gesunde Ernährung? Laut so mancher Laboranalyse ist in handelsüblicher Tiernahrung alles enthalten, was ein Vierbeiner für ein gesundes Wachstum und zur Erhaltung seiner Gesundheit benötigt. Einfach die Menükarte des Herstellers zur Hand nehmen, sich Appetit holen, was in Anbetracht der tollen Überschriften selbst mir leicht fallen sollte und zugreifen, sobald ich den günstigsten Anbieter für das ausgewählte Menü ausfindig gemacht habe.

 

Wem läuft nicht das Wasser im Munde zusammen, wenn es sich so lecker liest. Alleinfutter/Tiernahrung mit Lachs, Süßkartoffel und Vollkornwildreis oder lieber Wachtel, Seefisch mit veredelten Kastanien oder vielleicht Rind mit Pute und Shrimps?

 

Ja es liest sich gut und was durch das Kochen, Trocknen, Walzen oder Eindosen an Gesundem verloren geht, wird künstlich, synthetisch, labortechnisch als problemloser Zusatzstoff nachträglich aufgepäppelt und schon hört es sich nicht nur gesund und lecker an, es soll laut “wissenschaftlichen Studien“ auch gesund sein.

 

So steht es zumindest in verschiedensten Werbetexten und manchmal auch auf der aufwendig, schmackhaft gestalteten Verpackung. Fast genauso hübsch anzusehen, wie eine Butterverpackung oder sonstige Fotomontagen auf Hochglanzverpackungen. Grasende, glückliche Kühe die den Betrachter der Plastikdose anlächeln, saftige Wiesen und ein schickes Fachwerkhaus, wo sicher der vieh- und naturliebende Landwirt sein Dasein genießt….

 

Wer mag denn schon auf seiner Fertignahrungsverpackung ein großes, abgeriegeltes Fabrikgelände sehen, mit kahlen Betonwänden, ganz ohne Wiesen, fröhlichem Futtervieh mit Blümchen hinterm Ohr?

 

Ich mache mir die Mühe und schaue der Hochglanzverpackung auf den Rücken und kann laut “Kleingedrucktem“ erahnen, dass mitnichten alles Gold ist was strahlt und glänzt.

 

Ich nenne den 15kg Trockenfuttersack einfach mal “Fantasiamenü Adult“ mit folgender Zutatenliste:

 

Frisches Geflügelfleisch (30%)

Mais (ohne bzw. fehlende Prozentangabe)

Geflügelprotein, getrocknet (16 %)

Reis (ohne bzw. fehlende Prozentangabe)

Kartoffelstärke (14 %)

Fischmehl aus Meeresfischen (3 %)

Rübentrockenschnitzel, entzuckert

Johannisbrotkernschrot

Traubenkernexpeller (2,5 %)

Bierhefe, getrocknet

Haferschälkleie

Geflügelleber, hydrolysiert

Geflügelfett

Pflanzenöl (Palmöl, Kokosöl)

Dicalciumphosphat

Kaliumchlorid

Natriumchlorid

Kräuter, getrocknet (insgesamt: 0,2%)

 

 

Analytische Zusammensetzung

Protein 23,0%, Fett 10,5%, Rohfaser 3,7%, Rohasche 7,2%, Feuchtigkeit 10,0%, Calcium 1,3%, Phosphor 0,9%, Natrium 0,3%, Kalium 0,5%, Magnesium 0,1%.

 

Als weitere Angaben werden zugefügte künstliche/synthetische Zusatzstoffe (Vitamine/Mineralstoffe) aufgeführt, welche ich mir -nach betrachten der obigen Zutatenliste- schenken kann, da diese Zutatenliste von verwertbaren Angaben so weit entfernt ist, wie eben Industriefutter von der Natur selbst.

 

Es werden beim Beispielfutter frisches Fleisch sowie getrocknete Zutaten aufgelistet.


Wenn
die aufgeführten 30% frisches Geflügelfleisch getrocknet werden, verliert das frische Geflügelfleisch bis zu 75% an Masse und Gewicht. 30% frisches Geflügelfleisch bedeutet bei einem Gesamtfuttergewicht pro Sack von 15kg, gute 4,5kg frisches Geflügelfleisch.

 

Bevor die 4,5kg frisches Geflügelfleisch in den Futtersack gelangen, werden sie jedoch gekocht und getrocknet und das frische Geflügelfleisch verliert somit rund 75% an Gewicht und Masse.

 

Ich runde den Verlust auf 70% ab und rechne:

4,5kg Frischfleischgesamtanteil abzüglich 70% Verlust durch Trockenvorgang = 1,35kg Trockenfleischanteil je 15kg Trockenfuttersack.

 

1,35kg Trockenfleischanteil macht bei einer korrekten Deklaration keine 30% aus, sondern lediglich 9%

 

30% frisches Geflügelfleisch liest sich natürlich besser als 9% Geflügelfleisch, getrocknet. Von daher hat man der korrekten Deklaration wohl einen Streich gespielt und vergleicht hier frech und frei Äpfel mit Birnen.

 

Nun komme ich der tatsächlichen Zutatenliste ein gewaltiges Stück näher und auch dem Grund der fehlenden Prozentangabe zum Mais, der nun vom zweitgrößten zum größten Bestandteil des Futtersacks wird:

 

Mais 22-30%

Geflügelprotein, getrocknet 16%

Reis 14-16%

Kartoffelstärke 14%

Geflügelfleisch, getrocknet 9%

Fischmehl aus Meeresfischen 3%

Rübentrockenschnitzel, entzuckert 2,5-3%

Johannisbrotkernschrot 2,5-3%

Traubenkernexpeller 2,5%

Bierhefe, getrocknet 0,2-2,5%

Haferschälkleie 0,2-2,5%

Geflügelleber, hydrolysier 0,2-2,5%

Geflügelfett 0,2-2,5%

Pflanzenöl (Palmöl; Kokosöl) ca. 1%

Dicalciumphosphat ca. 1%

Kaliumchlorid ca 1%

Natriumchlorid ca. 1%

Kräuter, getrocknet 0,2 %

 

Hm, hab ich schon mal ein knochenloses Beutetier gesehen, welches aus rund 60% pflanzlichen und rund 33% tierischen Anteilen besteht oder kann man aus einer solchen Zusammensetzung ein naturnahes, artgerechtes Beutetier imitieren, wenn man noch hier und da eine Prise künstliches oder synthetisches Pülverchen hinzufügt?

 

Meiner Meinung nach nicht, aber ich kann für einen Endverbraucherpreis von beispielsweise 50 Euro (inkl. 19% MwSt.) für 15kg Trockenfertignahrung (2,80 Euro netto/kg) auch nicht erwarten, dass ich qualitativ hochwertige Nahrung erhalte, von der nicht nur der Hund was hat, sondern auch der Einzelhändler, Großhändler, Hersteller, Paketdienst und nicht zuletzt der Staat (19% MwSt.).

 

Ja, aber es gibt doch eine Deklarationspflicht?!

 

Genau die Deklarationspflicht, diese ist auch bei Futtermitteln für Heimtiere bindend und ordnungsgemäß vorgeschrieben,

allerdings erst bei Gebinden über 15kg.

 

Bis 15kg geschieht dies freiwillig und daraus geht hervor: Alles drin für meinen Hund....

 

Und wie viele Anbieter preisen Gebinde über 15kg an und unterwerfen sich somit der bindenden Deklarationspflicht???

 

Guten Appetit bis zum 2. Teil der Odyssee

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lisa Jackson (Dienstag, 01 Januar 2019 14:08)

    Super, genau so ist es.

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