Bite me softly - 42 Zähne contra Wattebausch

 

 

 

 

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) ist laut eigener Beschreibung auf deren Homepage (Zitat):

 

“Der VDH ist die führende Interessensvertretung aller Hundehalter in Deutschland - die erste Adresse rund um das Leben mit Hund, dem Hundesport und die Hundezucht. Als Dachorganisation für 175 Mitgliedsvereine repräsentiert der VDH heute mehr als 600.000 Mitglieder.“

 

Soweit so gut, ich selbst bin seit rund 30 Jahren Mitglied, durch die angeschlossenen Mitgliedsvereine. Angefangen mit dem Deutschen Verband der Gebrauchshundsportvereine (DVG), Verein für Deutsche Schäferhunde (SV), Boxer-Klub (BK) und seit ca. 8 Jahren Schweizer Sennenhund Verein für Deutschland (SSV). Und ich fühle mich in verschiedensten Bereichen sehr gut aufgehoben sowie vertreten, was aber nicht bedeutet, dass auch ich in manchen Bereichen schwer enttäuscht wurde.

 

Ich denke da in erster Linie an das Jahr 2001, als sich verschiedenste Medien auf die Fahne schrieben, dass Problem Hundehaltung bzw. Hundevorfälle einseitig und ausgesprochen reißerisch an den Leser/Zuschauer zu bringen. Kaum ein Tag verging, ohne dass man Rottweiler & Co. mit gefletschten Zähnen präsentiert bekam. Die meisten Bilder zeigten Hunderassen, dessen Vereine dem VDH angeschlossen waren. Ich habe bis heute nicht nachvollziehen können, warum die führende Interessensvertretung aller Hundehalter nicht maßgeblich an der Problembewältigung federführend eingetreten ist.

 

Damals gehörte ich zu den über 10.000 Demonstranten in Düsseldorf, die wegen der drohenden Rasselisten auf die Straßen gingen, kontaktierte wie viele andere auch, mittels Postweg Bürgermeister, Landesräte, Bundesparteien, Ministerien und erhielt von fast allen teils sehr umfangreiche Rückäußerungen. Genutzt hat es bekanntlich nichts, mit den bisher wirkungslosen, uneinheitlichen, kopflosen Ergebnissen der “Gesetzgeber und Experten“ leben wir ja heute noch.

 

Sei es des Deutschen liebstes Kind, das Auto oder der treueste Begleiter Hund, wenn es richtig ernst wird, schauen alle irgendwie weg, als würde es ausnahmslos immer nur die Anderen treffen und man selbst bleibt hoffentlich verschont.

 

Man hat meiner Meinung nach, wenn ich auf das fast 20-jährige Flickenwerk der Problembewältigung Hundehaltung und Erziehung zurückschaue, eine ganz große Chance auf der Strecke gelassen: Entweder hat es die führende Interessensvertretung aller Hundehalter verpasst oder man hat auf deren jahrzehntelange Kompetenz und Erfahrung bewusst oder unbewusst verzichtet. Der VDH und ihre Mitgliedsvereine verfügen über ein hochwertiges Ausbildungswesen auf der Grundlage von vielen Jahrzehnten, die Qualität der Trainerausbildungen und Fortbildungen immer auf dem neusten Wissensstand und dennoch wirkt alles wie eine unbekannte Randerscheinung, weil man sich als Interessensvertretung von Beginn an aus dem Fokus geschwiegen hat.

 

Ohne eine übergeordnete fachkompetente Organisation für das Hundewesen, wird es schwierig eine bundesweit einheitlich funktionierende Erziehungsberatung für Hundehalter und Ausbildung von Familienhunden zu gewährleisten, auf die sich unerfahrene Hundehalter verlassen können.

 

Und in genau dieser Situation befindet sich der heutige unerfahrene Hundehalter. Er hört von verschiedensten Erziehungsmethoden, welche allesamt größtenteils im Gegensatz stehen. In den Bücherregalen stapelt sich die Experten-Lektüre in der das Forschungsobjekt bis ins kleinste Atom beschrieben wird. Das Internet bietet tausende Filmchen wie es angeblich richtig geht, seinen Hund zu erziehen. Im TV gibt es lustige Leckerliewerfer mit der vollen Tupperdose und titulierte Tierquäler als Supertrainer zu bewundern und nicht wenige Hundetrainer und Hundeschulen bieten jeweils die ultimative Trainingsmethode an.

 

Als ich mit dem Gebrauchshundesport anfing, gab es so gut wie keine Hundeschule, diese bildeten sich im Laufe der Jahre, durch die gesteigerte Nachfrage derer, die mit Disziplin und Konsequenz auf den Gebrauchshundeplätzen nicht viel anfangen konnten. Des Weiteren haben es die Gebrauchshundevereine nie verstanden, ihre Trainingsstrategien für den Familienhundbesitzer verständlich zu machen. Viel Zeit ist seit Ende der 1980er vergangen und die heutigen Hundeschulen und Hundetrainer sind das Maß aller Dinge, während die Probleme mit Hund jedoch immer größer, komplexer und gesellschaftsauffälliger werden, sobald aus dem ach so süßen Welpen ein stämmiger junger Hund wird, der weder Grenzen noch Konsequenzen erfahren hat, nur damit er sich bloß frei entwickeln kann.

 

Wenn man in sozialen Netzwerken die verschiedensten Diskussionen zum Thema Hund verfolgt, soll früher alles viel schlechter gewesen sein und niemand hatte Ahnung von artgerechter Erziehung heißt es heute, obwohl von den Schwarz-Weiß-Sehern kaum bis niemand dabei war, als Hunde noch Hunde und Hundehalter noch Hundeführer waren. Nein, es war nicht alles richtig und ist es auch heute nicht, weil auch Menschen am Hund den Zwängen der Gesellschaft unterliegen. Neid, Rücksichtslosigkeit, Betriebsblindheit und Meinungsmache um des Streitens Willen sowie Meinungsgruppenkämpfe mit persönlichen Ausschlussängsten. Ein themenübergreifendes Gesellschaftsproblem. Hundehalter sind doof, Hundeführer sind doof, Experten sind doof, Gesetzgeber ist doof, Erziehungs- und Trainingsstrategien der anderen sind doof und das man selbst seit drei Jahren trotz wöchentlichen Hundeplatzbesuchen seinen Hund nicht in den Griff bekommt ist auch doof.

 

Zeiten ändern sich, aber der Anspruch eines Hundes hat sich nie geändert, es sind immer die Ansprüche des Menschen an den Hund, der das Zusammenleben an die Grenzen bringt und leider auch weit darüber hinaus!

 

Heutzutage werden viele Hunde kaputtgeliebt, krankerzogen, abgeschoben und unsere übersättigte Wohlstandsgesellschaft scheut keine Kosten und Energie, um selbstgeschaffene Wesenskrüppel zu analysieren sowie resozialisieren, selbst wo es nichts mehr zu resozialisieren gibt. Ist dies das heutige, bessere Verständnis von Hundehaltung? Ich weiß nicht, für mich fühlt sich das eher wie ein Wettbewerb der Meinungsvertreter an, bei dem es gar nicht wirklich um das Wohl von Hund und Halter geht.

 

Es gibt keine ultimative Trainingsmethode die jedem Hund und Halter gerecht wird, gestern nicht und heute nicht. Seit der Domestikation des Hundes versuchen wir nahezu krampfhaft, das verlorene natürliche Verständnis zwischen Mensch und Hund, durch Forschungserkenntnisse und Labortheorien aufzupeppeln, während sich Meinungen über Erkenntnisse immer weiter voneinander entfernen. Dies alles hilft dem unerfahrenen Hundehalter herzlich wenig und es hilft andererseits auch herzlich wenig, wenn ich problematisches Verhalten des Hundes mittels kross gebratenen Entenfilet-Stückchen ablenken oder gar abgewöhnen möchte, indem ich es vor die feine Nase meines Hundes halte, um ihn positiv dahingehend zu verstärken, eben nicht Problemverhalten zu zeigen.

 

Allerdings gibt es Studien über Erziehungsformen wie eine Studie des Universitätsklinikums Erlangen, in der ausführlich analysiert, verglichen und ausgewertet wurde (Studie des Universitätsklinikums Erlangen im Jahre 2014 unter der Leitung von Dr. Carolin Donath). Während dieser Studie wurden u.a. auch die drei sehr unterschiedlichen Erziehungsstile liberal, autoritär und autoritativ gegenübergestellt um u.a. den Erziehungsstil mit der höchsten Lebensqualität zu ermitteln.

 

Während die liberale (antiautoritäre) Erziehung von Verzicht von Zwängen, Kontrollen und Unterordnung geprägt ist und stattdessen auf Liebe und Zuneigung, Freizügigkeit sowie Toleranz baut, definiert sich die autoritäre Erziehung durch Kontrolle, Beherrschung, Begrenzung, festen Regeln, Dominanz und Unterordnung.

 

Die autoritative Erziehung ist eine Vermischung von beiden anderen Erziehungsstilen und beinhaltet Autorität und Responsivität in einem ausgewogenen Gleichgewicht. Sie zeigt einen variablen Mittelweg der Konsequenz, Unmissverständlichkeit und Kontrolle gepaart mit Zuneigung, Zuwendung, Liebe und Vertrauen.

 

Die heutigen Hunde werden jedoch sehr oft liberal (antiautoritär) erzogen und dies zumeist bewusst, wogegen der Hund früher meist autoritär erzogen wurde. Die antiautoritäre Erziehungsfraktion -sprich Wattebauschis- beklagt immer wieder, dass alles was von ihrer Wattebausch-Methodik abweicht, gewaltsame Erziehung bedeute. Dies ist ein reines Schwarz-Weiß-Gewäsch ohne Fach- bzw. Sachkompetenz und hat mit moderner Erziehung bzw. Argumentation herzlich wenig bis gar nichts zu tun. Hier sollte erst mal verstanden werden, wie weitreichend der Begriff Gewalt in der Psychologie bis hin zur Rechtswissenschaft zu begreifen ist. Gewalt ist nicht immer eine gewaltsame Aktion. Somit hinkt schon da eine sinnvolle, lösungsorientierte Diskussion zum Thema Erziehungsstile und Strategien.

 

Ein jeder Hund darf sich glücklich schätzen, an einen Menschen zu gelangen, der ihm autoritative Erziehung bietet und somit die nachgewiesen höchste Lebensqualität gewährleistet.

 

Bleibe für deinen Hund das interessanteste Wesen, indem du im Alltagsablauf immer wieder im Verhalten konsequent undurchschaubar bleibst, damit er dich weiterhin interessiert studiert und aus einer hohen Lebensqualität heraus, niemals aufhört Fragen zu stellen.

 

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